Ich will kulturelle Vielfalt statt brauner Einfalt

Nach­fra­gen und posi­ti­ver Zuspruch zu mei­nem Claim zur Bezirks­wahl „Ich will kul­tu­rel­le Viel­falt statt brau­ner Ein­falt“ in den ver­gan­ge­nen Wochen zei­gen mir, dass es rich­tig war, mit die­ser Bot­schaft in den Wahl­kampf zu gehen. Nur in den sel­tens­ten Fäl­len kön­nen die stark ver­kürz­ten Sprü­che auf Wahl­pla­ka­ten poli­ti­sche The­men in erschöp­fen­der Fül­le abar­bei­ten. Viel­mehr rei­ßen sie ein The­ma an und regen zum Nach­den­ken an. Dass „Ich will kul­tu­rel­le Viel­falt statt brau­ner Ein­falt“ in der Hin­sicht sei­nen Zweck erfüllt, zeigt sich in den Reak­tio­nen, die ich dar­auf bekom­men habe. Tat­säch­lich war mein Gedan­ke dahin­ter, sogar zwei The­men mit einer Klap­pe anspre­chen zu kön­nen. Da man im Rah­men von gera­de ein­mal 50 Zei­chen oft aber, wie gesagt, weni­ger ins Detail gehen kann, möch­te ich mei­ne eige­nen Reflek­tio­nen dazu hier knapp dar­stel­len.

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Her mit dem guten Leben!

Die­ser Leit­ar­ti­kel wur­de ursprüng­lich ver­öf­fent­licht im gedruck­ten SPUNK 01/2018 (Mit­glie­der­zeit­schrift der GRÜNEN JUGEND) und ist beim Online-Spunk abruf­bar.

Auf­ge­reg­te Nor­ma­li­tät: die bei­den Wor­te beschrei­ben Deutsch­land 2018 ziem­lich tref­fend. Seit fast 13 Jah­ren ist Ange­la Mer­kel Bun­des­kanz­le­rin. Zum drit­ten Mal regiert sie in einer schwarz-roten Koali­ti­on. Einer Koali­ti­on, die vor Ide­en­lo­sig­keit nur so strotzt. Das Gegen­teil der Uto­pie ist nicht die Dys­to­pie – eine höl­li­sche, unwirt­li­che Phan­tas­ma­go­rie. Das Gegen­teil der Uto­pie ist die Nor­ma­li­tät, in der wir uns ein­fin­den und die über­haupt kei­nen Platz für zukunfts­ge­rich­te­te Ide­en mehr lässt. Nach den gro­ßen Umbrü­chen, nach der Stu­die­ren­den­be­we­gung der 68er, nach dem Ende des Kal­ten Krie­ges hat sich die Nor­ma­li­tät längst ein­ge­stellt. Unse­re poli­ti­sche Land­schaft ist nicht von gro­ßen Ide­en und Visio­nen geprägt, son­dern von klein­staa­te­ri­schem Ver­wal­tungs­den­ken. Leben wir heu­te also in einem uto­pie­lo­sen Zeit­al­ter?

Das hof­fen und das glau­ben wir nicht. Zu zei­gen, dass es auch heu­te noch gro­ße Ide­en gibt, die poli­tisch eine Rol­le spie­len, ist der Anspruch die­ser SPUNK-Aus­ga­be. Tex­te von ganz unter­schied­li­chen Men­schen zu The­men aus allen Berei­chen zei­gen, dass Uto­pi­en und Visio­nen in unse­rem Den­ken heu­te leben­di­ger sind als jemals zuvor!

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Gegen jeden Antisemitismus

Der Anti­se­mi­tis­mus ist der Sozia­lis­mus der dum­men Kerls“, soll August Bebel, einer der Begrün­der der SPD ein­mal gesagt haben. Trotz­dem sahen Bebel und die frü­he Sozi­al­de­mo­kra­tie im Anti­se­mi­tis­mus ein gewis­ses revo­lu­tio­nä­res Poten­ti­al, das es in die rich­ti­ge Rich­tung zu len­ken gel­te. Die frü­he deut­sche Lin­ke bestand also nicht – wie das Zitat glau­ben machen könn­te – aus über­zeug­ten Anti-Antisemit*innen. Gleich­zei­tig ist die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie natür­lich auch nicht der Aus­gangs­punkt moder­nen Anti­se­mi­tis­mus. Die­ser liegt frü­her: Vor allem Kräf­te, die wir heu­te als „reak­tio­när“ beschrei­ben wür­den, sahen in den Idea­len der euro­päi­schen Auf­klä­rung eine Bedro­hung für ihren alten Lebens­stil. Wis­sen­schaft­li­cher Fort­schritt eben­so wie frei­heit­li­che Ide­en schie­nen die alte Ord­nung von Kir­che, Adels­herr­schaft und Stän­de­ge­sell­schaft zu bedro­hen. In Jüdinnen*Juden (und ande­ren dama­li­gen Rand­grup­pen, etwa Freimaurer*innen) schie­nen sie die Ursa­che die­ses gesell­schaft­li­chen Umbruchs aus­zu­ma­chen. Zusam­men mit christ­lich-mit­tel­al­ter­li­chen Vor­ur­tei­len über Jüdinnen*Juden als Christusmörder*innen bil­de­te sich dar­aus der moder­ne Anti­se­mi­tis­mus. Er ent­stand also aus einem Sam­mel­be­cken anti­mo­der­nen und anti­auf­klä­re­ri­schen Den­kens.

 

Die­ser Arti­kel von mir erschien in der Herbst­aus­ga­be 2017 der Brenn­stoff, Mit­glie­der­zeit­schrift der Grü­nen Jugend Bay­ern, und ist inzwi­schen auch online abruf­bar.

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Für sexuelle Vielfalt und Selbstbestimmung

Rede auf der Demons­tra­ti­on gegen den so genann­ten „Bus der Mei­nungs­frei­heit“ der so genann­ten „Demo für alle“ in Regens­burg am 8. Sep­tem­ber 2018.

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de,

es ist super, dass ihr heu­te hier nach Regens­burg gekom­men seid. Dass wir hier so vie­le Leu­te sind und zei­gen, dass Regens­burg kein Platz für Men­schen­ver­ach­tung ist. Gleich­stel­lung und Men­schen­rech­te wer­den nicht nach Abstim­mun­gen oder Mehr­heits­ver­hält­nis­sen bemes­sen; aber trotz­dem ist es ein wich­ti­ges Zei­chen, dass hier um ein Viel­fa­ches mehr ste­hen als spä­ter bei dem Hass-Bus auf der Süd­sei­te des Doms ste­hen wer­den. Ist es ein wich­ti­ges Zei­chen, dass das immer wie­der pas­siert, wenn rück­wärts­ge­wand­te Ideo­lo­gie, wenn in die­sem Fall kon­kret Frau­en­ver­ach­tung und Hass auf LGBTI, hier ver­brei­tet wer­den soll. Wir ste­hen heu­te hier und sagen NEIN! Und wir wer­den auch beim nächs­ten Mal hier ste­hen. Denn für die­ses Gedan­ken­gut ist kein Platz in die­ser Stadt. Für die­ses reak­tio­nä­re Gedan­ken­gut ist kein Platz in die­ser Zeit. Wir leben näm­lich im Jahr 2018 und nicht 1730.

Lie­be Men­schen,
Lasst uns hier gemein­sam ste­hen für wich­ti­ge Errun­gen­schaf­ten wie das heu­ti­ger Maß an sexu­el­ler Selbst­be­stim­mung und an Akzep­tanz für ver­schie­de­ne Ori­en­tie­run­gen. Aber gleich­zei­tig haben wir mit der Fris­ten­re­ge­lung bei Abtrei­bun­gen und mit der Homo­ehe noch längst nicht alles erreicht. Von einer weit­ge­hen­den Gleich­stel­lung der Geschlech­ter, von einer gesell­schaft­li­chen Akzep­tanz aller For­men des Zusam­men­le­bens, sind wir noch weit ent­fernt. Des­we­gen müs­sen wir hier heu­te Laut sein und die­sem Hass-Bus spä­ter zei­gen, was wir von ihm hal­ten. Der Kampf für glei­che Rech­te für alle geht wei­ter!

[Es gilt das gespro­che­ne Wort]

Wir als Wissenschaftler müssen die Welt besser erklären.

Anfang Juni 2018 durf­te ich an der Tagung „Von Hin­ter­zim­mern und gehei­men Machen­schaf­ten. Ver­schwö­rungs­theo­ri­en in his­to­ri­scher Per­spek­ti­ve“ an der Aka­de­mie Wein­gar­ten teil­neh­men. Am Frei­tag­abend saß ich zum The­ma „Aus der Geschich­te ler­nen? Zum rich­ti­gen Umgang mit Ver­schwö­rungs­theo­ri­en “ gemein­sam mit Prof. Micha­el But­ter (Eber­hard Karls Uni­ver­si­tät Tübin­gen), Dr. Ute Cau­manns (Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf) und Jan Rath­je (Ama­deu Anto­nio-Stif­tung) auf dem Podi­um.

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Die AfD – keine „normale, demokratische Partei“

Rede­bei­trag auf der Kund­ge­bung gegen Björn Höckes Auf­tritt in Lap­pers­dorf am 2. Juni 2018:

 

Lie­be Leu­te, die jetzt gemein­sam aus Regens­burg hier her gelau­fen sind, lie­be Men­schen aus Lap­pers­dorf,

ich sage am bes­ten: lie­be Anti­fa­schis­tin­nen und Anti­fa­schis­ten,

ich freue mich, dass so vie­le Leu­te den Weg hier her gefun­den haben. Als wir die Ver­samm­lun­gen am Mon­tag ange­mel­det haben, hät­ten wir nicht mit einer so gro­ßen Reso­nanz gerech­net! Dass jetzt trotz­dem so vie­le Leu­te hier sind, zeigt, dass Regens­burg stolz dar­auf ist, eine welt­of­fe­ne, eine tole­ran­te Stadt zu sein. Und die­ses Ein­tre­ten für Demo­kra­tie und für die offe­ne Gesell­schaft macht natür­lich nicht an der Stadt­gren­ze Halt, so dass auch direkt hier aus Lap­pers­dorf vie­le Leu­te da sind, aber auch von über­all anders her.

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