Stefan Christoph

«Geschichte ist Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit.»

Her mit dem guten Leben!

Die­ser Arti­kel wur­de ursprüng­lich ver­öf­fent­licht im gedruck­ten SPUNK 01/2018 (Mit­glie­der­zeit­schrift der GRÜNEN JUGEND) und ist beim Online-Spunk abruf­bar.

Auf­ge­reg­te Nor­ma­li­tät: die bei­den Wor­te beschrei­ben Deutsch­land 2018 ziem­lich tref­fend. Seit fast 13 Jah­ren ist Ange­la Mer­kel Bun­des­kanz­le­rin. Zum drit­ten Mal regiert sie in einer schwarz-roten Koali­ti­on. Einer Koali­ti­on, die vor Ide­en­lo­sig­keit nur so strotzt. Das Gegen­teil der Uto­pie ist nicht die Dys­to­pie – eine höl­li­sche, unwirt­li­che Phan­tas­ma­go­rie. Das Gegen­teil der Uto­pie ist die Nor­ma­li­tät, in der wir uns ein­fin­den und die über­haupt kei­nen Platz für zukunfts­ge­rich­te­te Ide­en mehr lässt. Nach den gro­ßen Umbrü­chen, nach der Stu­die­ren­den­be­we­gung der 68er, nach dem Ende des Kal­ten Krie­ges hat sich die Nor­ma­li­tät längst ein­ge­stellt. Unse­re poli­ti­sche Land­schaft ist nicht von gro­ßen Ide­en und Visio­nen geprägt, son­dern von klein­staa­te­ri­schem Ver­wal­tungs­den­ken. Leben wir heu­te also in einem uto­pie­lo­sen Zeit­al­ter?

Das hof­fen und das glau­ben wir nicht. Zu zei­gen, dass es auch heu­te noch gro­ße Ide­en gibt, die poli­tisch eine Rol­le spie­len, ist der Anspruch die­ser SPUNK-Aus­ga­be. Tex­te von ganz unter­schied­li­chen Men­schen zu The­men aus allen Berei­chen zei­gen, dass Uto­pi­en und Visio­nen in unse­rem Den­ken heu­te leben­di­ger sind als jemals zuvor!

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Gegen jeden Antisemitismus

Der Anti­se­mi­tis­mus ist der Sozia­lis­mus der dum­men Kerls“, soll August Bebel, einer der Begrün­der der SPD ein­mal gesagt haben. Trotz­dem sahen Bebel und die frü­he Sozi­al­de­mo­kra­tie im Anti­se­mi­tis­mus ein gewis­ses revo­lu­tio­nä­res Poten­ti­al, das es in die rich­ti­ge Rich­tung zu len­ken gel­te. Die frü­he deut­sche Lin­ke bestand also nicht – wie das Zitat glau­ben machen könn­te – aus über­zeug­ten Anti-Antisemit*innen. Gleich­zei­tig ist die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie natür­lich auch nicht der Aus­gangs­punkt moder­nen Anti­se­mi­tis­mus. Die­ser liegt frü­her: Vor allem Kräf­te, die wir heu­te als „reak­tio­när“ beschrei­ben wür­den, sahen in den Idea­len der euro­päi­schen Auf­klä­rung eine Bedro­hung für ihren alten Lebens­stil. Wis­sen­schaft­li­cher Fort­schritt eben­so wie frei­heit­li­che Ide­en schie­nen die alte Ord­nung von Kir­che, Adels­herr­schaft und Stän­de­ge­sell­schaft zu bedro­hen. In Jüdinnen*Juden (und ande­ren dama­li­gen Rand­grup­pen, etwa Freimaurer*innen) schie­nen sie die Ursa­che die­ses gesell­schaft­li­chen Umbruchs aus­zu­ma­chen. Zusam­men mit christ­lich-mit­tel­al­ter­li­chen Vor­ur­tei­len über Jüdinnen*Juden als Christusmörder*innen bil­de­te sich dar­aus der moder­ne Anti­se­mi­tis­mus. Er ent­stand also aus einem Sam­mel­be­cken anti­mo­der­nen und anti­auf­klä­re­ri­schen Den­kens.

 

Die­ser Arti­kel von mir erschien in der Herbst­aus­ga­be 2017 der Brenn­stoff, Mit­glie­der­zeit­schrift der Grü­nen Jugend Bay­ern, und ist inzwi­schen auch online abruf­bar.

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Wir als Wissenschaftler müssen die Welt besser erklären.

Anfang Juni 2018 durf­te ich an der Tagung „Von Hin­ter­zim­mern und gehei­men Machen­schaf­ten. Ver­schwö­rungs­theo­ri­en in his­to­ri­scher Per­spek­ti­ve“ an der Aka­de­mie Wein­gar­ten teil­neh­men. Am Frei­tag­abend saß ich zum The­ma „Aus der Geschich­te ler­nen? Zum rich­ti­gen Umgang mit Ver­schwö­rungs­theo­ri­en “ gemein­sam mit Prof. Micha­el But­ter (Eber­hard Karls Uni­ver­si­tät Tübin­gen), Dr. Ute Cau­manns (Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf) und Jan Rath­je (Ama­deu Anto­nio-Stif­tung) auf dem Podi­um.

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Die AfD – keine „normale, demokratische Partei“

Rede­bei­trag auf der Kund­ge­bung gegen Björn Höckes Auf­tritt in Lap­pers­dorf am 2. Juni 2018:

 

Lie­be Leu­te, die jetzt gemein­sam aus Regens­burg hier her gelau­fen sind, lie­be Men­schen aus Lap­pers­dorf,

ich sage am bes­ten: lie­be Anti­fa­schis­tin­nen und Anti­fa­schis­ten,

ich freue mich, dass so vie­le Leu­te den Weg hier her gefun­den haben. Als wir die Ver­samm­lun­gen am Mon­tag ange­mel­det haben, hät­ten wir nicht mit einer so gro­ßen Reso­nanz gerech­net! Dass jetzt trotz­dem so vie­le Leu­te hier sind, zeigt, dass Regens­burg stolz dar­auf ist, eine welt­of­fe­ne, eine tole­ran­te Stadt zu sein. Und die­ses Ein­tre­ten für Demo­kra­tie und für die offe­ne Gesell­schaft macht natür­lich nicht an der Stadt­gren­ze Halt, so dass auch direkt hier aus Lap­pers­dorf vie­le Leu­te da sind, aber auch von über­all anders her.

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§ 219a StGB ist gefährlich und gehört abgeschafft!

Der § 219a StGB bestraft „Wer­bung für den Abbruch der Schwan­ger­schaft“. So weit, so unnö­tig kann man das Gan­ze erach­ten. Die Über­schrift klingt erst ein­mal harm­los – dass man kei­ne rei­ße­ri­sche Rekla­me für Schwan­ger­schafts­ab­brü­che sehen will, ist ja viel­leicht sogar noch nach­voll­zieh­bar. Aber der § 219a macht nicht an die­ser Stel­le Halt. Auch die rein sach­li­che Infor­ma­ti­on über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che ist nach dem Para­gra­phen prin­zi­pi­ell straf­bar und auch durch Gerichts­ur­tei­le (AG Gie­ßen Az. 507 Ds 501 Js 1503115; LG Bay­reuth, 2 Ns 118 Js 1200704, ZfL 2007) so bestä­tigt. Dar­über, ob der Para­graph über­haupt ver­fas­sungs­kon­form ist, gibt es unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen. Die ein­schlä­gi­ge Lite­ra­tur sieht unter ande­rem die Gefahr, „dass nur noch in Fach­krei­sen offen und unver­stellt gespro­chen wird“ (vgl. Kindhäuser/Neumann/Paeffgen StGB § 219a Rn. 3), das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schreibt „Wenn die Rechts­ord­nung Wege zur Durch­füh­rung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen durch Ärz­te eröff­net, muss es dem Arzt auch ohne nega­ti­ve Fol­gen für ihn mög­lich sein, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Pati­en­tin­nen sei­ne Diens­te in Anspruch neh­men kön­nen“ (BVerfG 24.5.2006 – 1 BvR 106002 , ZfL 2006, 135, 138).

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Gegen die Orbánisierung Bayerns!

Rede auf der Kund­ge­bung gegen das neue baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz am Regens­bur­ger Bis­marck­platz am 24. April 2018:

Lie­be Regens­bur­ge­rin­nen und Regens­bur­ger,
lie­be Freun­din­nen und Freun­de,

vor knapp vier Wochen waren wir das letz­te Mal hier in Regens­burg auf der Stra­ße. Und ich war über­wäl­tigt, dass in so kur­zer Zeit über 500 Leu­te zusam­men­ge­kom­men sind. Ich bin noch mehr über­wäl­tigt, wie vie­le Leu­te heu­te hier ste­hen. Uns eint, dass wir für Frei­heit ste­hen, für den Rechts­staat, für unser Grund­ge­setz. Wir ste­hen heu­te hier gegen Kon­troll­wahn und gegen Geset­ze die nur dem popu­lis­ti­schen Wahl­kampf der CSU die­nen. Nichts ande­res ist die­ses Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz näm­lich; und dage­gen, dass unse­re Rech­te ein­ge­schränkt und Gesetz­än­de­run­gen zu Wahl­kampf­zwe­cken miss­braucht wer­den, müs­sen wir uns weh­ren!

Die CSU lädt den ukrai­ni­schen Auto­kra­ten Vik­tor Orbán regel­mä­ßig zu ihren Klau­su­ren oder als Staats­gast in den Land­tag ein. Vor weni­gen Wochen gra­tu­lier­ten sie ihrem „guten Freund Vik­tor Orbán“ zu sei­nem gran­dio­sen Wahl­er­geb­nis. Dabei treibt Orbán den Aus­bau Ungarns zu einem kras­sen Poli­zei­staat vor­an, schränkt die Mei­nungs­frei­heit ein und ent­fernt sich immer wei­ter von einem fried­li­chen Euro­pa. Wir ste­hen hier gegen die Orbá­ni­sie­rung des Frei­staats. Dage­gen müs­sen wir uns weh­ren!

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